Jo. Franzke Architekten Jo. Franzke Architekten

Projekt

Wohnen am Dom

Erfurt, Deutschland

Die anwachsenden Hausbreiten vermitteln zwischen der kleinmaßstäblichen Häuserstruktur im westlichen Domstraßenbereich und den größeren Häuser am Domplatz.

Beim Wettbewerb Wohnen am Dom in Erfurt hat das Büro Jo. Franzke Architekten eine von fünf Anerkennungen für den Entwurf erhalten. Für die Landschaftsarchiutektur zeichnet das Büro Die Landschaftsarchitekten, Bartfelder + Bittkau verantwortlich.

Aufdem Grundstück am Domplatz in Erfurt sind überwiegend Wohnnutzungen vorgesehen, im Erdgeschoss an der Domstraße gewerbliche Nutzungen. Die Lage in der Altstadt, am Domplatz und gegenüber dem Mariendom, erfordert einen Planungswettbewerb um eine optimale Gestaltung des Vorhabens zu erhalten und als Grundlage des Vorhaben- und Erschließungsplanes. Ziel des Wettbewerbs sind Vorschläge für moderne Eigentumswohnformen unter Berücksichtigung der städtebaulichen und denkmalpflegerischen Belange im Herzen der Stadt Erfurt zu erlangen.


Der Entwurf von Jo. Franzke Architekten sieht vor, durch Aneinanderreihen von polygonal geknickten Einzelhäusern die von den Bestandsbauten vorgegebene Raumkante fortzuführen. So wird die Lücke an der Domstraße räumlich geschlossen. Der neu zu errichtende Gebäuderiegel bildet die räumliche Hauptrichtung der neuen Blockrandbebauung entlang der Domstraße und unterstreicht die städtebauliche Bedeutung dieser Raumkante. Die von West nach Ost anwachsenden Hausbreiten vermitteln zwischen der kleinmaßstäblichen Häuserstruktur im westlichen Domstraßenbereich und den größeren Häuser am Domplatz und schaffen zwischen den Gebäudestrukturen der angrenzenden Bestandsbauten einen Übergang. Während der als Flachdach ausgebildete Abschluss im vorderen Hausbereich formal auf den gegenüberliegenden, nach oben hin als Ebene ausgeformten Kavaten reagiert, fügt sich das Satteldach in die ortstypische Landschaft geneigter Dächer ein. Die verschiedenen Elemente des Gebäudes reagieren auf die Höhenentwicklung der Umgebung. Während der Flachdachabschluss der vier Einzelhäuser auf die Höhenentwicklung der Kavaten Bezug nimmt, orientiert sich der First des Satteldachs an die Firsthöhen der Nachbargebäude am Domplatz. Die Traufe des Satteldachs nimmt die Höhe der angrenzenden barocken Nachbarbebauung Domplatz 36 auf. Diese Traufhöhe wird ebenfalls zur durchgängigen Raumbildung An den Graden bis an den Bergstrom fortgeführt. Stadttypologisch gliedert sich der Entwurf in zwei Bereiche: in den Blockrand mit Gewerbe, Geschoß- und Loftwohnungen und in den Binnenbereich der Stadthäuser.


Die Freiflächen erfüllen zwei Aufgaben. Sie ermöglichen, das Gebäude im öffentlichen Straßenraum in den historischen Bestand zu integrieren. Zudem können im Innenhof durch eine pflanzliche Gliederung Räume gebildet werden, die den unterschiedlichen Nutzungsanforderungen gerecht werden. In den öffentlichen Bereichen An den Graden und Domstraße werden die steinernen Materialien der Umgebung aufgegriffen und fügen so den neuen Baukörper optimal in den urban geprägten Bestand ein. Die Begegnungszone ‚An den Graden‘ wird durch regelmäßige Baumpflanzungen aufgelockert und sorgt durch den Materialwechsel zwischen Gehweg und Straße für eine rein optische Gliederung der Verkehrsarten. Durch den Materialwechsel fungiert sie als verkehrsberuhigter Bereich und sorgt für eine besondere Rücksichtnahme der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer aufeinander.


Durch die Materialauswahl im Innenhof wird behutsam mit dem genius loci umgegangen. Die befestigten Flächen werden durch großformatige Betonplatten formuliert und bilden eine klare Fassung für die Grünflächen und die Privatgärten. Die Privatgärten werden durch niedrige Bastionen aus Stahl umfasst. Sie schaffen in Verbindung mit einer Bepflanzung aus Zierkirschen private Aufenthaltsqualitäten und bilden den optischen Rahmen, der Raum für gärtnerisches Wirken lässt. Als raumbildendes Element schafft ein großzügiges Baumdach südlich der Grünfläche einen Abschluss in Richtung der separaten Wohnhäuser. Für eine ruhige und beschützte Anmutung wird die Grünfläche nach Süden hin leicht abgesenkt und wirkt als räumliches Gegenstück zu den Privatgärten.

Top